Marina Abramović und MAI
im Dialog mit Joseph Beuys
Verlängert bis 11.1.2026
Solomon R. Guggenheim Museum, New York, 2005
Foto: Attilio Maranzano
Courtesy of the Marina Abramović Archives
Im Jahr 2005 präsentierte Marina Abramović 7 Easy Pieces im New Yorker Guggenheim Museum. Für ihre sieben je 7-stündigen Reinszenierungen der Performances verschiedener Künstler:innen holte sie jeweils die Genehmigung des/der Künstler:in oder des Nachlasses ein und bezahlte für die Nutzung der Idee im Rahmen ihrer Re-Performance. Eine der ikonischen Aktionen, die sie erneut aufführte, war Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt von Joseph Beuys. Beuys hatte die Aktion 1965 konzipiert und in der Düsseldorfer Galerie Schmela ausgeführt. Die Dokumentation von Abramović’s Re-Performance sowie Beuys‘ ursprünglicher Inszenierung bilden den Ausgangspunkt für weitere künstlerische Forschung im Joseph Beuys Archiv und im Sammlungsbestand des Museums Schloss Moyland mit dem Marina Abramović Institute (MAI).
Ein internationales Performance-Projekt
Eine Gruppe internationaler Performance-Künstler:innen setzte sich im Archiv und in der Sammlung, im Rahmen eines einmonatigen Forschungsaufenthalts im März 2025 im ArToll Kunstlabor, intensiv mit dem Werk von Beuys auseinander. Die beteiligten Künstler:innen entwickelten ortsspezifische long durational Performances, die in den Museumsräumen präsentiert werden. Diese beleben das Performative des Beuys-Bestands im Museum Schloss Moyland neu und bewirken eine Reaktivierung des Dialogs zwischen Kunst und Besucher:innen des Museums. Damit werden zugleich die tradierten Regeln für das Bespielen einer sammelnden Kunstinstitution zugunsten einer experimentellen Öffnung und Prozesshaftigkeit außer Kraft gesetzt. Das Marina Abramović Institute hat hier erstmals eine einmonatige Residency mitgestaltet. Durch diese künstlerische Auseinandersetzung werden neue Perspektiven auf Beuys' Schaffen erschlossen und sein Einfluss auf die zeitgenössische Performancekunst sichtbar gemacht. Zu diesem Projekt wird eine filmische Dokumentation von Kirsten Becken erscheinen und im Moylandshop sowie online erhältlich sein.
Kuratiert von Serge le Borgne (Frankreich), Billy Zhao (USA) und Antje-Britt Mählmann (Deutschland)
Teilnehmende Performance-Künstler:innen
Isaac Chong Wai (Hong Kong/Deutschland), Cristiana Cott Negoescu (Rumänien/Deutschland), Maria Stamenković Herranz (Serbien/Spanien/Frankreich), Sandra Johnston (Irland), Rubiane Maia (Brasilien/Großbritannien), Francesco Marzano (Italien/Deutschland), Virginia Mastrogiannaki (Griechenland), Michelle Samba (Friesland, Niederlande/Kongo), Luisa Sancho-Escanero (Spanien/Deutschland), Evan Macrae Williams (Kanada/Deutschland), Yan Jun Chin (Malaysia/Deutschland), Martin Toloku (Ghana/Niederlande) und Eşref Yıldırım (Türkei)
Fotos und Filmaufnahmen
Kirsten Becken (Deutschland)
Live-Performances und interaktives Rahmenprogramm
Ein Highlight der Ausstellung waren die gestaffelten Live-Performances, die im ersten Monat (bis 10.8.) stattfanden. Inzwischen sind in diesen Räumen Relikte und Videodokumentationen der Performances zu sehen. Digitale Angebote wie Interviews, Podcasts und ein begleitendes Magazin vertiefen das Ausstellungserlebnis. Das Museum Schloss Moyland bietet ein vielseitiges Vermittlungsprogramm mit Vorträgen, Künstler:innengesprächen und Workshops sowie dem Festum Fluxorum 2.0 vom 24. bis 26.10.2025.
Sonderaktion Gruppenführungen (1.11.2025 bis 11.1.2026)
TIPP: Bei unserer Sonderaktion zur Ausstellung entfällt bei gebuchten Führungen im Zeitraum vom 1.11.2025 bis zum 11.1.2026 das zusätzliche Eintrittsentgelt!
Gruppen mit max. 15 Personen zahlen bei einer einstündigen Führung nur 90 € sowie bei einer 90minütigen Führung nur 110 € (fremdsprachige Führungen mit Zuschlag).
Buchen Sie Ihre Gruppenführung direkt unter bildung@moyland.de.
Interview mit Marina Abramović
Im Interview mit unserer Künstlerischen Direktorin und Kuratorin Dr. Antje-Britt Mählmann erzählt Marina Abramović über das MAI (Marina Abramović Institute).
Archiv Live-Performances (13.7. bis 10.8.2025)
Eşref Yıldırım
Camouflage
(13.7.–20.7.2025)
Der türkische Künstler Eşref Yıldırım knüpft mit seiner Performance an die Idee von Joseph Beuys an, dass echter Dialog nicht nur zwischen Menschen, sondern auch zwischen Mensch und Tier möglich ist. Beuys sah eine organische Verbindung zwischen Menschheit und Natur – eine Beziehung, die in der Gegenwart zunehmend verlorengegangen ist. Tief beeindruckt zeigte sich Yıldırım von Beuys’ legendärer Aktion I Like America and America Likes Me (1974). Im Gegensatz zu Beuys sucht Yıldırım jedoch nicht den kontrollierten Raum der Galerie, sondern die Begegnung im natürlichen Lebensraum der Tiere. Camouflage, realisiert im Außenraum des Museums Schloss Moyland, versteht sich als Versuch, sich dem lokalen Ökosystem behutsam anzunähern. Yıldırım bedeckt seinen Körper mit Wasserpflanzen, die von den dort lebenden Tieren bevorzugt werden, und bewegt sich still durch die Landschaft – beobachtend, lauschend, gegenwärtig. Mit dieser Geste stellt Yıldırım die vorherrschende anthropozentrische Perspektive in Frage. In einer Welt, in der Tiere häufig untergeordnet, ausgebeutet oder getötet werden, kehrt Camouflage die Rollen um. Der Künstler lädt zu einer neuen Art des Miteinanders ein – achtsam, gleichwertig und auf Augenhöhe.
Sandra Johnston
Bone-Battery//Flat-High
(13.7.–20.7.2025)
Sandra Johnstons aktuelle Forschung im Joseph Beuys Archiv untersucht die vielfältigen Wege, auf denen Beuys mit dem Konzept von Energieflüssen arbeitete – sichtbar in seinen Aktionen, Objekten, Zeichnungen und seiner Sprache. Ein zentrales Thema ist dabei Beuys’ wiederholte Verwendung des Begriffs „Batterie“ für seine Werke, etwa bei Battery Flat-High (1963). Diese Bezeichnung verweist auf Vorstellungen von Ladung, Strom und Übertragung. Johnston interpretiert diese Ideen mit einem Fokus auf die verborgenen, katalytischen Qualitäten alltäglicher Objekte und Materialien. Besonders in Beuys’ Zeichnungen und Partituren wird der Energiefluss sichtbar: Bewegungslinien um Figuren deuten Prozesse der Emanation und Transformation an. Diese Motive erscheinen sowohl in seinen visionären, persönlichen Arbeiten als auch in den späteren Tafelbildern, wo sie sich zu einer Sprache des Denkens in Diagrammen und Handlungsschemata verdichten. In ihrer Performance Bone-Battery//Flat-High bringt Johnston diese Konzepte in eine physische Form: Ihre Aktionen machen einen inneren, somatischen Raum sichtbar – durch Gesten des Markierens, Wiederholens, Auslöschens und Anpassens lässt sie Energieprozesse im Raum erfahrbar werden.
Virginia Mastrogiannaki
TAVROS
(13.7.–20.7.2025)
Die Künstlerin Virginia Mastrogiannaki widmet sich in ihrer Performance den letzten Lebensjahren von Joseph Beuys und dessen zunehmender Politisierung. Im Fokus steht der Einfluss der universalistischen Ideen von Anacharsis Cloots auf Beuys’ künstlerisches und ideologisches Denken – insbesondere im Kontext seiner Kandidatur für das Europäische Parlament. Mastrogiannaki untersucht dabei zentrale Gründungstexte der Europäischen Union. Ihr besonderes Interesse gilt dem Spannungsfeld zwischen Sprache, Identität und politischer Symbolik. Durch das gezielte Entfernen wirtschaftlicher Begriffe aus den EU-Verträgen legt sie ideelle Grundlagen der Union frei und hinterfragt, welche Werte Europa heute definieren. Der Titel Τavros (Stier) bezieht sich auf die Verwandlung von Zeus, dem zweiten Helden des Mythos der Europa, deren Namen der europäische Kontinent und die Europäische Union tragen.
Isaac Chong Wai
Choreographing Gravity: Tanzprobe (2025), performt von Ryota Maeda
(13.7.–27.7.2025)
In Isaac Chong Wais neuer Auftragsarbeit Choreographing Gravity: Dance Rehearsal (2025) probt ein Tänzer in einem rotierenden Proberaum Bewegungen, die sich auf Kunstwerke beziehen, und bewegt sich dabei zwischen alltäglichen Lebenspraktiken und einer durch die räumliche Situation veränderten Schwerkraft. Die Schwerkraft, die für unser tägliches Leben von grundlegender Bedeutung ist, prägt die Art und Weise, wie wir uns bewegen, handeln und mit der Welt umgehen. Chong stellt diese unsichtbare Kraft in Frage, indem er sie in einer Choreografie neu interpretiert, die einer anderen Logik folgt. Diese Dauerperformance interpretiert die Methoden von Marina Abramović und die Bewegungsstudien von Joseph Beuys durch eine verkörperte Übersetzung neu. Während die Regeln der Schwerkraft scheinbar außer Kraft gesetzt sind und der Proberaum kippt, wird das Publikum zu einer desorientierenden Erfahrung eines unbekannten Tanzes eingeladen.
Isaac Chong Wai
Choreographing Gravity: Tanzprobe (2025), performt von Ryota Maeda
(13.7.–27.7.2025)
(s. Woche 1)
Michelle Samba
I, Hereby
(22.7.–27.7.2025)
Jeden Morgen produziert Michelle Samba Tinte aus ihrem eigenen Blut und verschiedenen Pigmenten. In aller Stille benutzt sie es als Tinte, um mit selbst entworfenen Stempeln auf weggeworfenes Museumspapier zu stempeln. An einem einfachen Tisch in einem fast leeren Raum wiederholt sie ein tägliches Protokoll der Klassifizierung und Spurensicherung. Das Papier stapelt sich. Die Geste wiederholt sich. Die Performance zieht sich über sechs Tage hin. Der Raum funktioniert wie ein Büro, ein Kontrollpunkt. Die Arbeit lehnt sich an Joseph Beuys‘ Büro für direkte Demokratie (documenta 5, 1972) an und greift dessen bürokratische Sprache auf. I, Hereby beobachtet, wie Systeme Wahrheit durch Form behaupten. Es reflektiert die Ästhetik von Erlaubnis und Kontrolle, nur um deren Grenzen aufzuzeigen. Was hier registriert wird, kann nicht archiviert werden.
Francesco Marzano
Pneuma – Wärmezeitmaschine
(22.7.–3.8.2025)
Pneuma – Wärmezeitmaschine ist eine immersive, partizipative Performance, die den Atem ins Zentrum rückt – als Urkraft des Lebens, kollektives Band und politisches Symbol. Der Performer bewohnt einen resonierenden Raum, in dem sein Atem akustisch verstärkt wird. Besucher:innen sind eingeladen, mit ihrer eigenen Atmung Teil dieses Klanggeflechts zu werden. So entsteht ein lebendiges Zusammenspiel von Geräuschen, Rhythmen, Resonanzen und Körpern – eine akustische Skulptur, ein atmendes Kollektiv. Pneuma bedeutet im Griechischen sowohl „Atem“ als auch „Seele“. Die Performance reflektiert Atem als Träger von Identität, kommunikatives Potential und Spiegelung des Makrokosmos. Der Atem ist ebenso unentbehrlich für unser Leben wie zerbrechlich – er kann behindert oder unterdrückt werden, wie Pandemien oder Methoden der Gewalt und Unterdrückung beweisen. Inspiriert von Joseph Beuys’ partizipativen Kunstkonzepten und Energieplan sowie von den Atempraktiken der Marina Abramović Methode, versteht sich das Projekt als künstlerisch-soziales Experiment, als sinnliche wie politische Einladung, dem Atem als „Urklang“, reduzierteste Form des Zusammenseins und elementarste Form der Weltbeziehung Aufmerksamkeit zu schenken.
Francesco Marzano
Pneuma – Wärmezeitmaschine
(22.7.–3.8.2025)
(s. Woche 2)
Maria Stamenković Herranz
The Painted Heron
(27.7.–3.8.2025)
The Painted Heron ist eine von Maria Stamenković Herranz konzipierte, long durational Film-Performance in Form einer Reise. Die Performance hält den täglichen Verlauf der Reise von Ost nach West fest, die in Novi Sad, Serbien, beginnt und in Kleve, Deutschland, endet. Es handelt sich um eine Kombination aus Fußmarsch und Zugfahrt, eine Mischung aus kartierten Routen und improvisierten Entscheidungen. Während der gesamten Reise trägt die Performerin eine lebende Sonnenblume auf ihrem Rücken. Nach zehn Tagen wird die Sonnenblume auf einem Feld hinter dem Museum Schloss Moyland wieder eingepflanzt. Statt einer traditionellen Erzählstruktur zu folgen, wird die Reise in täglichen Abschnitten aufgezeichnet, die später zu einem fortlaufenden Video zusammengefügt werden. Der Film fungiert sowohl als Dokumentation als auch als Erweiterung der Performance selbst. Im Dialog mit dem Vermächtnis von Joseph Beuys und Marina Abramović konzipiert, reflektiert The Painted Heron über die nachhaltige Wirkung ihres künstlerischen, ökologischen und politischen Engagements. Die Performance-Route ist von der Geschichte des Krieges und der Fragmentierung geprägt. Bei der Ankunft im Museum Schloss Moyland – einem durch das Trauma des Zweiten Weltkriegs geprägten Ort – wird die Neubepflanzung zu einer Geste der Regeneration. Beeinflusst von der landwirtschaftlichen Praxis des Barbecho (Brache), umarmt The Painted Heron die Stille und suggeriert Transformation durch Sorgfalt, Innehalten und Aufmerksamkeit.
Die täglichen Videos ihrer Reise finden Sie hier.
Cristiana Cott Negoescu
Roulette
(29.7.–10.8.2025)
Roulette ist eine performative Installation, die die Spannung zwischen Arbeit, Zufall und systemischer Kontrolle materialisiert. In einem industrialisierten Arbeitsraum führt die Künstlerin einen sich wiederholenden Produktionszyklus aus, der von der willkürlichen Logik einer Lottomaschine diktiert wird. Die Performance verdeutlicht die Entfremdung der Arbeit, die Aushöhlung der Arbeitnehmerrechte und die Illusion von Wahlmöglichkeiten innerhalb kapitalistischer Strukturen. Der Arbeitsplatz ist durch einen minimalen Pausenraum ergänzt, der mit einem Stuhl, Instantnudeln und einem iPad eingerichtet ist, auf dem Joseph Beuys’ Monolog abgespielt wird. Cott arbeitet in einer Schleife, gefangen zwischen mechanisierter Arbeit und flüchtigen Momenten der Erleichterung, die durch ein Zufallssystem bestimmt werden. Roulette greift auf historische und zeitgenössische Arbeitsmodelle zurück und bezieht sich auf Joseph Beuys’ Wirtschaftswertprinzip und seinen Monolog, die sich beide mit Kommodifizierung, Arbeitswert und wirtschaftlichen Strukturen befassen. Die Lottomaschine, eine direkte Anspielung auf Beuys’ Honigpumpe am Arbeitsplatz, funktioniert als absurder Kontrollmechanismus, der die unvorhersehbare und doch strukturierte Natur von Arbeitszyklen simuliert. Mit seinen Verweisen auf Joseph Beuys und die zeitgenössischen Arbeitsbedingungen wird Roulette zum Spiegel einer Gesellschaft, in der Arbeit sowohl notwendig als auch absurd ist, in der Arbeiter in Systemen existieren, die sie nicht kontrollieren können, und in der das Versprechen von Freiheit unerreichbar bleibt.
Luisa Sancho Escanero,
entwickelt mit Evan Macrae Williams und Yan Jun Chin
The Loop
(29.7.–10.8.2025)
Drei Künstler:innen präsentieren eine long durational performance, die die flüchtige Natur von Performancekunst und Tanz vereint. In einer choreografischen Schleife interpretieren sie das künstlerische Werk von Joseph Beuys neu. Die Choreografie basiert auf Beuys’ Zeichnungen, Interviews und Aktionen rund um Tanz und Körper. Diese Elemente werden in Bewegung übersetzt und mit Projektionen, Texten und Off-Stimmen ergänzt, die die Bedeutung vertiefen. So entsteht eine dramaturgisch kraftvolle Verbindung von Gestik, Aktion und Erzählung. Beuys’ Darstellungen von Körpern und ihren Fähigkeiten inspirieren die visuelle Gestaltung der Performance. Die Grenzen zwischen Kunst und Tanz verschwimmen, um eine abstrakte Erzählung zu formen – eine Kosmologie, die Beuys’ Werk als Tanz erfahrbar macht und beim Publikum Erkenntnis hervorruft. Die vorhandenen Materialien von Beuys sind die Grundlage dieser Arbeit. Durch Tanz wird seine Kunst lebendig – nicht als bloße Repräsentation, sondern als visionärer Blick auf Gegenwart und Zukunft. Die Choreografie lädt ein, Beuys’ Werk neu zu imaginieren und so die Vergangenheit in die Gegenwart zu transformieren.
Cristiana Cott Negoescu
Roulette
(29.7.–10.8.2025)
(s. Woche 3)
Luisa Sancho Escanero,
entwickelt mit Evan Macrae Williams und Yan Jun Chin
The Loop
(29.7.–10.8.2025)
(s. Woche 3)
Martin Toloku
Wounded Soul
(5.8.–10.8.2025)
Wounded Soul ist eine long durational performance innerhalb einer Installation, die aus sieben Türen besteht, die jeweils mit einem Seil verbunden sind, welches am Körper des Künstlers befestigt ist und seine Bewegungsfreiheit einschränkt. Die Performance aktiviert die Türen, so dass sie entweder offen oder geschlossen erscheinen, was gleichzeitig auf Kampf, Unbehagen, Unruhe oder innerem Konflikt hindeutet. Die Arbeit zeigt die Reaktion einer Seele, die in der Enge und im Schmerz gefangen ist Die Performance ist inspiriert von Joseph Beuys’ Installation Hinter dem Knochen wird gezählt – SCHMERZRAUM, in der Licht von einem Bleiraum absorbiert wird und die das Publikum mit seiner eigenen Angst und Verletzlichkeit konfrontiert. Sie thematisiert zugleich die Möglichkeit der Wiederbegegnung mit sich selbst und einer Öffnung nach außen, um Teil eines größeren sozialen Körpers zu werden. Toloku übersetzt seine Assoziationen, die er mit Beuys’ Schmerzraum verbindet in seine Performance-Installation. Die sieben Türen als Symbol sind traditionellen Heilungsritualen entlehnt, die aus der Kultur der Ewe-Stämme in der Volta-Region in Ghana stammen. Dieses Ritual öffnet sieben Energieportale, ein Zeichen, das ins Unbekannte führt und gleichzeitig zu einem Labyrinth wird. Diese rituell-künstlerische Praxis erinnert zugleich an Schamanismus, Rituale und religiöse Ikonographien in der künstlerischen Praxis von Joseph Beuys.
Rubiane Maia
Coming from the Plants
(5.8.–10.8.2025)
Rubiane Maia setzt sich in ihrer Forschung und Performance kritisch mit den konzeptuellen Strukturen Joseph Beuys’ auseinander, insbesondere mit dessen Idee der Wärmeökonomie. Beuys beschreibt Energie als einen dynamischen Fluss materieller und immaterieller Kräfte, die wahrgenommen, gesteuert und in immaterielle Arbeit umgewandelt werden können. Für ihn ist Energie kein abstraktes Element, sondern ein aktives Feld, das menschliche Beziehungen auf persönlicher und kollektiver Ebene transformieren kann. Maia analysiert Beuys’ umfangreiche Notizen und Diagramme und erkennt darin eine komplexe Denkarchitektur, in der der Energiefluss als zentrales Organisationsprinzip seiner Kunst und Philosophie fungiert. In ihrem Projekt stellt sie den energetischen Austausch zwischen Menschen und dem mehr als Menschlichen in den Mittelpunkt und untersucht dessen Potenzial für Heilung und Transformation. Ihre Perspektive erweitert Maia durch den Bezug auf Dekoloniale Studien und die Erfahrungen der afrikanischen Diaspora, der sie selbst angehört. In ihrer Performance nutzt Maia symbolische Materialien wie Haarsträhnen, Erde, Pflanzen und Schiffstrümmer, die Geschichten von erzwungener Migration und Vertreibung erzählen. Mit rituellen Handlungen schafft sie einen Resonanzraum, in dem das Verdrängte fühlbar, hörbar und neu gedacht werden kann. Ihr Werk lädt ein, zarte Gesten und pflanzliche Rhythmen als Ausdruck von Fürsorge, Trauer und Vitalität als Kräfte des Bruchs und der Neugestaltung zu erleben.
Foto: Dow Wasiksiri
Praemium Imperiale-Preisträgerin
Marina Abramović wurde als Preisträgerin des wichtigsten internationalen Kunstpreises „Praemium Imperiale“ benannt. Dieser ist auch bekannt als der „Nobelpreis der Künste“. Marina Abramović erhält die Auszeichnung in der Kategorie Skulptur. Begründung des Komitees ist, dass Abramović eine Wegbereiterin der Performance-Kunst sei und mehr als fünf Jahrzehnte ihren eigenen Körper als Medium eingesetzt habe. Im Oktober wird der Preis den Preisträgerinnen und Preisträgern in Tokio vom japanischen Kaiserhaus überreicht. Unsere herzlichen Glückwünsche!
Dauerkarte zur Ausstellung
Dank unseres Dauertickets für 30 € regulär und ermäßigt 21 € können Sie die Ausstellung Marina Abramović und MAI im Dialog mit Joseph Beuys besuchen so oft Sie möchten.
Podcastfolge in "Die Leichtigkeit der Kunst"
Dr. Antje-Britt Mählmann, Serge le Borgne, Maria Stamenković Herranz und Cristiana Cott Negoescu waren zu Gast in dem Podcast Die Leichtigkeit der Kunst von Claudia Linzel. In dieser Podcastfolge geben die Vier Einblicke in die kuratorische Idee, die Entstehung der Residency – und was passiert, wenn Performance eine Beziehung zum Raum, zur Geschichte und zum Publikum eingeht.
Übernachtung mit VIP-Package "Marina Abramović und MAI im Dialog mit Joseph Beuys"
- 1 x Übernachtung im Hotelzimmer
- 1 x reichhaltiges Frühstück vom Buffet
- kostenloser Zugang zum Sauna- und Fitnessbereich
- kostenloses W-LAN
- 1 x Niederrhein Fahrrad 50% Rabatt [nicht inbegriffen, ermäßigt 5 €]
- 1 x vergünstigter Eintritt ins Museum [nicht inbegriffen, ermäßigt 6 €]
- 1 x Goodie vom Museum
Entdecken Sie unser exklusives VIP-Package Marina Abramović & MAI im Dialog mit Joseph Beuys im 4-Sterne Elaya Hotel in Kleve, das Ihnen einen unvergesslichen Aufenthalt bietet. Für eine bis drei Nächte genießen Sie eine vergünstigte Unterbringung in einem komfortablen Hotelzimmer, inklusive eines köstlichen Frühstücks, das den Tag perfekt beginnen lässt.
Im Hotel Elaya erhalten Sie außerdem einen Voucher, mit dem Sie dort ein Niederrhein Fahrrad zum halben Preis (5 €) mieten können, um die schöne Region mit ihren Kulturerlebnissen nachhaltig und bequem zu erkunden. Gegen Vorlage des Vouchers im Museum Schloss Moyland erhalten Sie außerdem einen vergünstigten Museumseintritt (6 €). Erleben Sie die Sonderausstellung Marina Abramović & MAI im Dialog mit Joseph Beuys sowie alle weiteren Präsentationen des Museums inklusive Turmaufstieg und Besuch der Gartenanlage mit Skulpturenpark. Zusätzlich erhalten Sie vor Ort noch ein Goodie. Bitte beachten Sie, dass das Kontingent begrenzt ist, also sichern Sie sich frühzeitig dieses exklusive Angebot und genießen Sie eine außergewöhnliche Kombination aus Kultur, Komfort und Natur! Das Angebot gilt bis zum 26.10.2025.
Bitte beachten Sie, dass der Voucher im Museum nicht bei Sonderveranstaltungen (z. B. Festum Fluxorum 2.0, 24.–26.10.) eingelöst werden kann!
Magazin 1: Marina Abramović und MAI im Dialog mit Joseph Beuys
Es wird zwei begleitende Magazine zur Ausstellung geben. Magazin 1 enthält eine große Anzahl von Farb- und Schwarz-Weiß-Bildern der Residency sowie Aufnahmen hinter den Kulissen. Der Zeitstrahl über das MAI, der auch in der Ausstellung zu sehen ist, ist ebenfalls Bestandteil des Magazins 1. Außerdem gibt es detaillierte Texte zu den Performances der 13 beteiligten Künstler:innen. Auch interessant ist das Interview mit den drei Kurator:innen Dr. Antje-Britt Mählmann, Serge le Borgne und Billy Zhao.
Magazin Nr. 1 ist bereits für 9 € im Moylandshop erhältlich. Magazin Nr. 2 erscheint Mitte November.
Kalender
Galerie
Marina Abramović, 7 Easy Pieces, Performing Joseph Beuys, How to Explain Pictures to a Dead Hare (1965) Solomon R. Guggenheim Museum, New York, 2005 Foto: Attilio Maranzano © Courtesy of the Marina Abramović Archives
Ute Klophaus Joseph Beuys, Aktion wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt, Galerie Schmela, Düsseldorf, 26.11.1965 Für das Werk von Joseph Beuys: © VG Bild-Kunst, Bonn 2025 Foto: © bpk / Stiftung Museum Schloss Moyland / Ute Klophaus / Leihgabe der Ernst von Siemens Kunststiftung
Joseph Beuys Ohne Titel, 1982 Foto: ZOA Edition Staeck Stiftung Museum Schloss Moyland Für das Werk von Joseph Beuys: © VG Bild-Kunst, Bonn 2025
Marina Abramović, Dunja Blazević with Joseph Beuys at SKC Belgrade, 1974 Foto: Nebojša Čanković © Courtesy of the Marina Abramović Archives
Marina Abramović with Joseph Beuys at SKC Belgrade, 1974 Foto: Nebojša Čanković © Courtesy of the Marina Abramović Archives
Besuch bei Marina Abramović in New York City im Rahmen der Reise der Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, Frau Ina Brandes, vom 26. bis 29.3.2023 Foto: MKW/Tobias Everke
Besuch bei Marina Abramović in New York City im Rahmen der Reise der Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, Frau Ina Brandes, vom 26. bis 29.3.2023 Foto: MKW/Tobias Everke
Marina Abramović, 2018 Foto: Dusan Reljin
Marina Abramović, 2023 Foto: Dow Wasiksiri
Performance-Künstler:innen der Ausstellung, Joseph Beuys und Marina Abramović Porträts Künstler:innen MAI: © Kirsten Becken/VG Bild-Kunst, Bonn 2025 Porträt Joseph Beuys: © Ute Klophaus/Stiftung Museum Schloss Moyland/Leihgabe der Ernst von Siemens Kunststiftung Porträt Marina Abramović: © Dusan Reljin Gestaltung: © Tobias Jacob und Torsten Illner, 2025
Michelle Samba, I, Hereby, 2025 Foto: Kirsten Becken, © VG Bild-Kunst, Bonn 2025
Michelle Samba, I, Hereby, 2025 Foto: Kirsten Becken, © VG Bild-Kunst, Bonn 2025
Eşref Yıldırım, Camouflage, 2025 Foto: Kirsten Becken, © VG Bild-Kunst, Bonn 2025
Eşref Yıldırım, Camouflage, 2025 Foto: Kirsten Becken, © VG Bild-Kunst, Bonn 2025
Francesco Marzano, Pneuma – Wärmezeitmaschine, 2025 Foto: Philip Yakushin
Francesco Marzano, Pneuma – Wärmezeitmaschine, 2025 Foto: Kirsten Becken, © VG Bild-Kunst, Bonn 2025
Isaac Chong Wai, Choreographing Gravity: Tanzprobe, 2025 Performt von Ryota Maeda Foto: Kirsten Becken, © VG Bild-Kunst, Bonn 2025
Isaac Chong Wai, Choreographing Gravity: Tanzprobe, 2025 Performt von Ryota Maeda Foto: Kirsten Becken, © VG Bild-Kunst, Bonn 2025
Sandra Johnston, Bone-Battery//Flat-High, 2025 Foto: Kirsten Becken, © VG Bild-Kunst, Bonn 2025
Sandra Johnston, Bone-Battery//Flat-High, 2025 Foto: Kirsten Becken, © VG Bild-Kunst, Bonn 2025
Virginia Mastrogiannaki, TAVROS, 2025 Foto: Kirsten Becken, © VG Bild-Kunst, Bonn 2025
Virginia Mastrogiannaki, TAVROS, 2025 Foto: Kirsten Becken, © VG Bild-Kunst, Bonn 2025
Cristiana Cott Negoescu, Roulette, 2025 Foto: Kirsten Becken, © VG Bild-Kunst, Bonn 2025
Cristiana Cott Negoescu, Roulette, 2025 Foto: Kirsten Becken, © VG Bild-Kunst, Bonn 2025
Luisa Sancho Escanero, entwickelt mit Evan Macrae Williams und Yan Jun Chin, The Loop, 2025 Foto: Kirsten Becken, © VG Bild-Kunst, Bonn 2025
Luisa Sancho Escanero, entwickelt mit Evan Macrae Williams und Yan Jun Chin, The Loop, 2025 Foto: Kirsten Becken, © VG Bild-Kunst, Bonn 2025
Maria Stamenković Herranz, The Painted Heron, 2025 Foto: Kirsten Becken, © VG Bild-Kunst, Bonn 2025
Maria Stamenković Herranz, The Painted Heron, 2025 Foto: Kirsten Becken, © VG Bild-Kunst, Bonn 2025
Martin Toloku, Wounded-Soul, 2025 Foto: Kirsten Becken, © VG Bild-Kunst, Bonn 2025
Martin Toloku, Wounded-Soul, 2025 Foto: Kirsten Becken, © VG Bild-Kunst, Bonn 2025
Rubiane Maia, Coming from the Plants, 2025 Foto: Kirsten Becken, © VG Bild-Kunst, Bonn 2025
Rubiane Maia, Coming from the Plants, 2025 Foto: Kirsten Becken, © VG Bild-Kunst, Bonn 2025