Armin Mueller-Stahl
Nacht und Tag auf der Erde
10.5.–20.9.2026
Foto: Gabriele Mueller-Stahl
© Gabriele Mueller-Stahl, Kunsthalle Emden, Museum Schloss Moyland & Kunst- und Kulturstiftung Opelvillen Rüsselsheim
Der 1930 in Tilsit/Ostpreußen geborene Maler, Musiker und Schauspieler Armin Mueller-Stahl stellt mit der Vielschichtigkeit seiner künstlerischen Ausdrucksweisen eine Ausnahmeerscheinung in der Kunst des 21. Jahrhunderts dar. In seinen unterschiedlichen künstlerischen Aktivitäten spielt die Biografie des Künstlers eine herausragende Rolle: Begegnungen in der Deutschen Demokratischen Republik, der Bundesrepublik Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika prägen das Leben des Künstlers. Das so gewachsene künstlerische Werk von Armin Mueller-Stahl umfasst zahlreiche Gemälde, Zeichnungen, Lithographien, Radierungen und Siebdrucke.
Das Museum Schloss Moyland widmet dem Künstler eine Einzelausstellung, in Kooperation mit der Kunsthalle Emden und der Kunst- und Kulturstiftung Opelvillen Rüsselsheim zur Würdigung seines vielschichtigen Oeuvres. Ziel der Ausstellung ist, die Künstlerpersönlichkeit und deren Schaffen anhand einiger exemplarisch ausgewählter Themen- und Werkblöcke darzustellen.
Neben den oft hochpolitischen Werken des Künstlers werden zahlreiche Eindrücke seines filmischen und schauspielerischen Schaffens in der Ausstellung zu erleben sein.
Ein Katalog mit rund 180 Abbildungen ist für 28 € im Moylandshop erhältlich.
Kuratiert von Antje-Britt Mählmann
AUSSTELLUNGSERÖFFNUNG
Zur Eröffnung der Ausstellung am Sonntag, 17. Mai 2026 sind Sie herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei!
In Kooperation mit:
Ausstellung
Die Ausstellung bietet Einblicke in die Biografie von Armin Mueller-Stahl. Ein Zeitstrahl vermittelt die Lebensereignisse, die historischen Begebenheiten, wichtige Ausstellungen sowie die Bücher und Filmografie des Künstlers. Im Entrée zur Ausstellung finden sich neben Selbstporträts einige von Künstlerkollegen aufgenommene fotografische Porträts. Ein kurzer Einleitungstext führt in die künstlerische Entwicklung und die verschiedenen von Mueller-Stahl bevorzugten künstlerischen Techniken ein.
Die Präsentation umfasst eine große mediale Bandbreite von Gemälden, über meisterhaft ausgeführte druckgrafische Zyklen, neue Arbeiten auf Papier bis zu den jüngsten Porträts Jüdischer Freunde und Weggefährten. Ausgewählte Filmausschnitte im Dialog mit neu gemalten Bildern zu den Film- und Theaterrollen Mueller-Stahls geben Einblick in die bewegte Filmografie. Darüber hinaus liefern Videointerviews mit dem Künstler weitreichende Erklärungen zu den künstlerischen Intentionen der Werke sowie zu den dargestellten Persönlichkeiten. Ein Filmraum ermöglicht den Besucher:innen in Mueller-Stahls Biografie sowie seine schauspielerische und malerische Entwicklung im Kontext der Zeitgeschichte einzutauchen.
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Foto: © Margret Witzke
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Foto: © Kunsthalle St. Annen / Michael Haydn
DDR / BRD / USA
Ein zentrales Thema der biografischen und historischen Auseinandersetzung ist für den Künstler das ehemalige DDR-Regime und dessen Auswirkungen auf das alltägliche Leben. Mueller-Stahls Beziehung zur DDR war ambivalent. So spielte er zum Beispiel in Filmen mit, die den gerade erfolgten Bau der Berliner Mauer als gerechtfertigt darstellten und begann seine Schauspielkarriere 1960 mit dem Vierteiler „Flucht aus der Hölle“, in welchem er aus der BRD in die DDR flieht. In „… und deine Liebe auch“ von 1962 spielte er den Kommandeur einer DDR-Betriebskampfgruppe, der seinen Bruder an der Berliner Mauer mit der Waffe daran hindert, in den Westen zu fliehen. Mueller-Stahl wurde fünf Mal in Folge zum beliebtesten Schauspieler der DDR gewählt. Nachdem er im Jahr 1976 eine Unterschriftenaktion gegen die Ausbürgerung des regimekritischen Liedermachers Wolf Biermann unterstützte, war es ihm nicht mehr möglich, im offiziellen DDR-System als Schauspieler zu arbeiten. 1980 wurde seine Ausreise genehmigt. Fortan wirkte Mueller-Stahl in westdeutschen Filmproduktionen mit. 1984 zog er mit seiner Familie nach Schleswig-Holstein. Kaum des Englischen mächtig, entschloss sich Mueller-Stahl Ende der 1980er Jahre zu einem weiteren Neubeginn in den USA, wo die Filmindustrie ihn willkommen hieß. Große Erfolge in Hollywood-Produktionen prägen bis heute das Leben und die Wahrnehmung des Künstlers. Die Ausstellung stellt Mueller-Stahls Kunstwerke (und Filmausschnitte), die sich mit den Gegebenheiten in der DDR, der BRD und in den USA befassen, in einen spannenden Dialog.
© DEFA-Stiftung, Klaus Goldmann
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Foto: © Margret Witzke
© IMAGO / Everett Collection
Night on Earth – Day on Earth
Druckgrafische Techniken wie zum Beispiel die Lithografie nahmen für den Künstler seit den frühen 2000er Jahren an Bedeutung zu. Diese Einzelwerke und Bildzyklen stehen vielfach in einem direkten Bezug zu Mueller-Stahls Arbeit als Schauspieler. So beschäftigt sich der im Jahr 2004 entstandene Lithografie-Zyklus Night on Earth – Day on Earth mit der nichtlinearen Erzählstruktur und den Charakteren des 1991 erschienenen Jim Jarmusch-Films Night on Earth, in dem der Schauspieler den New Yorker Taxifahrer Helmut Grokenberger spielte, einen ehemaligen Clown aus Ostdeutschland. Der Episodenfilm handelt zeitgleich in Los Angeles, New York, Paris, Rom und Helsinki. In jeder Stadt begegnen sich ein:e Taxifahrer:in und einer oder mehrere Fahrgäste. Die Handlung konzentriert sich auf die Begegnung und die daraus entstehenden Dialoge. Sie stellt auf diese Weise unterschiedliche Lebensentwürfe und Einstellungen vor. Die nicht miteinander verknüpften Einzelschicksale an verschiedenen Orten der Welt werden so zu humorvoll-poetischen Fallbeispielen der menschlichen Existenz.
© IMAGO, Mary Evans
aus: night on earth – day on earth (Mappenwerk), 2004
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Foto: © Kunsthaus Lübeck
aus: night on earth – day on earth (Mappenwerk), 2004
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Foto: © Kunsthaus Lübeck
aus: night on earth – day on earth (Mappenwerk), 2004
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Foto: © Kunsthaus Lübeck
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Foto: © Kunsthalle St. Annen / Michael Haydn
Der Künstler und die Spannungen der Gegenwart
Einen Kontrast zu den kleinteiligen, oft narrativ als Serie angelegten druckgrafischen Werken, bilden Mueller-Stahls großformatige Gemälde. Auch für diese Leinwände sind Variationen ein Grundmotiv – vielfach verknüpft mit musikalischen Themen aus der klassischen Musik oder dem Jazz, die den begabten Musiker ebenso faszinieren wie seine literarischen, filmischen und künstlerischen Vorgänger. Die biografische und historische Spannung ist in diesen Arbeiten ebenfalls präsent. So finden sich zum Beispiel Bilder, deren Titel auf Obamas Chicago oder Donald Trump hinweisen. Auch das aktuelle globale Zeitgeschehen, gegenwärtige Bewegungen in der Politik, Kriege und ganz besonders die Situation der Menschen, die zu Flucht oder Migration gezwungen sind, bewegen den Künstler.
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Foto: © Kunsthalle St. Annen / Michael Haydn
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Foto: © Kunsthalle St. Annen / Michael Haydn
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Foto: © Kunsthalle St. Annen / Michael Haydn
Jüdische Freunde und Weggefährten
Flucht und Migration prägen auch einen Großteil jüdischer Familienbiografien bis ins 21. Jahrhundert. Einen jüngeren Werkzyklus in der Ausstellung bilden Mueller-Stahls Porträts berühmter jüdischer Persönlichkeiten in der Weltgeschichte und Gegenwart. Unter den Porträtierten finden sich besonders viele Kulturschaffende: Künstler:innen, Schriftsteller:innen, Musiker:innen, Philosoph:innen, Regisseur:innen und Verleger:innen, aber auch religiöse Leitfiguren, Politiker:innen und Wissenschaftler:innen. Die Auswahl von Bildnissen zeigt unter anderem den Philosophen und Kulturkritiker Walter Benjamin, die Fotografin Ilse Bing, den Komponisten George Gershwin, den Kunsthistoriker Ernst Gombrich, den Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki, den Schriftsteller Franz Kafka und die Komponistin Fanny Hensel. Alle vom Künstler porträtierten Persönlichkeiten haben auf ihre Weise die Welt geprägt. Die Wirkungsorte der Dargestellten bewegen sich in einem Spannungsfeld zwischen Deutschland, Österreich, Israel und den USA.
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Foto: © Margret Witzke
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Foto: © Margret Witzke
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Foto: © Margret Witzke
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Foto: © Margret Witzke
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Foto: © Margret Witzke
Neue Bilder zu Film- und Theaterrollen
Derzeit arbeitet Armin Mueller-Stahl an einer Reihe von gemalten und gezeichneten Arbeiten auf Papier zu seinen unterschiedlichen Filmrollen. In einer Mischtechnik flüssiger und pastos aufgetragener Farben auf Papier widmet sich der 95-jährige Künstler den Erinnerungen an seine schauspielerischen Tätigkeiten. Mit teils gestischen Farbverläufen wirken diese neuen Gemälde vielfach unmittelbar emotional und atmosphärisch.